Mai, Berta geb Reiss (1868 - 1943)

Berta (Rebekka) Reis wurde am 9. Mai 1868 in Steinsfurt geboren.

Grab von Leopold und Mina Reiss auf dem Waibstadter FriedhofIhr Vater war Löw Reis (*1834, ✡1888, beides Steinsfurt), der später aber fast immer Leopold genannt wurde. Sein Grabstein zeigt, dass er aus einer levitischen Familie stammt: Er zeigt eine Kanne als Symbol dafür und beim hebräischen Namen von Leopold weist das Wort Segal darauf hin: „Jehuda Sohn des Moses Segal Reis”.

Bertas Mutter war Wilhelmina (Mina) Odenheimer (*1833 Heidelsheim, ✡1916 Merchingen). Leopold und Mina haben am 4. August 1859 in Steinsfurt geheiratet . Sie hatten 8 Kinder, die alle in Steinsfurt geboren wurden: Elise (*1860), Auguste (*1861), Gustav (*1862), Rosa (*1864), Emma (*1865), Moses (*1866), Rebekka und Karl (*1871) .

Über die Jugend von Berta ist nichts bekannt.

Sie heiratet am 28. März 1900 in Steinsfurt. Ihr Ehemann Max Mai wurde am 20. August 1872 in Hüngheim (heute Stadtteil von Ravenstein im Neckar-Odenwald-Kreis) als Sohn von Michael Mai (*1845 Hüngheim, ✡1885 Merchingen) und seiner Ehefrau Fanni geb Grumbacher (*1845, ✡1913 Merchingen) geboren.

Max Mai lebte in Merchingen, das heute Stadtteil von Ravenstein im Neckar-Odenwald-Kreis ist. Er war Viehhändler, handelte jedoch auch mit Pferden auf Kommission. Außerdem betrieb er eine Vermittlung für den An- und Verkauf von landwirtschaftlichen Grundstücken. Das Ehepaar hatte einen Sohn: Milton (*1901).

Berta hatte 1925 einen Schlaganfall, durch den sie halbseitig gelähmt war.

Die Familie Mai emigrierte am 22. Oktober 1935 nach Holland. Dort wohnten sie zunächst in Rotterdam.

Der Sohn Milton konnte im Mai 1939 mit seiner Frau und seinen beiden Töchtern weiter in die USA auswandern. Die Eltern mussten jedoch wegen der dortigen Einwanderungsbeschränkungen zurückbleiben. Wahrscheinlich war geplant, dass sie nachziehen würden, wenn der Sohn sich drüben etabliert hatte und für ihren Lebensunterhalt bürgen konnte. Dazu kam es jedoch nicht mehr.

Die Deutschen besetzten die Niederlande im April 1940. Sie weiteten die Judenfolgung sofort auch auf diese Land aus. 1941 wurde Max und Berta Mai die deutsche Staatsbürgerschaft entzogen. 1942 musste das Ehepaar auf Anweisung der Gestapo nach Amsterdam in ein „Judenhaus” umziehen. Am 4. März 1943 wurden sie dort verhaftet und ins KZ-Sammellager Westerbork gebracht.

Am 10. März 1943 wurden sie ins Vernichtungslager Sobibor in Ostpolen deportiert, wo sie beide umgebracht wurden.

Gedenken

Im Gedenkbuch des Bundesarchivs gibt es Einträge für Berta (921424) und Max (921476)

In der Datenbank von Yad Vashem gibt es für Berta den Eintrag (4269429) und für Max den Eintrag (11586728)

In Digital Monument of the Jewish Community in the Netherlands gibt es Seiten für Berta Rebekka geb Reiss und für Max Mai (englisch und niederländisch)

Quellen

Akten der Wiedergutmachungsverfahren für Max und Berta Mai (GLA Karlsruhe 480, 26063 und 26064)

Standesbücher Steinsfurt, Merchingen

Stadtarchiv Sinheim, Bestand „Steinsfurt”, Heiratsnebenakten